Sie bearbeiten jährlich bis zu 2.500 Notfalleinsätze. Sie retten Leben, helfen Menschen in Not und stehen im Dienst der Öffentlichkeit. Um dies leisten zu können, benötigen sie zuverlässige, präzise, robuste und maßgeschneiderte Ausrüstung. Aus diesem Grund haben die Feuerwehrleute der Feuerwehr der Hauptstadt Prag den 3D-Druck eingeführt, um sich auf Routineeinsätze vorzubereiten.
Die 1853 gegründete Prager Feuerwehr ist die älteste Berufsfeuerwehr des Landes. Heute sind ihre Einsatzkräfte überall im Einsatz – von engen mittelalterlichen Gassen bis hin zu modernen Wolkenkratzern – und sorgen für die Sicherheit von mehr als einer Million Einwohnern sowie Millionen von Touristen pro Jahr.
In der geschäftigen Zentrale ist eine gute Organisation von entscheidender Bedeutung. Direkt neben ihren Einsatzfahrzeugen und schweren Schneidgeräten nutzt die Mannschaft einen 3D-Drucker (Prusa CORE One L), um maßgeschneiderte Halterungen zu machen, empfindliche Ausrüstung zu schützen und Spezialausrüstung sicher zu befestigen und einsatzbereit zu halten.
Wie der 3D-Druck die Effizienz an vorderster Front verändert
Dieses Projekt ging nicht von der obersten Führungsebene aus. Es begann mit Lukáš, einem aktiven Feuerwehrmann, der zu Hause zufällig ein 3D-Druck-Hobbyist ist.
In einer Feuerwache müssen kleine Bauteile ständig schnell angepasst oder individuell repariert werden. Eine Taschenlampenhalterung bricht ab, eine Funkgerät-Halterung lockert sich oder ein Werkzeug muss in einem Feuerwehrfahrzeug im Wert von einer halben Million Dollar gesichert werden.
Der 3D-Druck direkt in der Wache rationalisiert den gesamten Prozess der Beschaffung von Ersatzteilen und maßgeschneiderter Ausrüstung erheblich. Anstatt komplexe Verwaltungsschritte durchlaufen zu müssen, kann das Team vor Ort sofort genau das herstellen, was es benötigt. Es ist eine praktische, hochwertige Lösung, die der Mannschaft absolute Flexibilität bietet und alltägliche Reparaturen beschleunigt.
Lukáš beschreibt es so: „Einen 3D-Drucker direkt hier in der Wache zu haben, verändert alles“, erklärte die Mannschaft. „Wir entwerfen es, drucken es aus und beheben das Problem sofort vor Ort – genau so, wie wir es wollen.“
Was als Nebenprojekt begann, nahm richtig Fahrt auf, nachdem die Mannschaft die Fabrik von Prusa Research besucht hatte. Prusa erkannte das Potenzial und stellte einen Drucker für ein Pilotprogramm in der Wache zur Verfügung, und die Feuerwehrleute machten sich sofort daran, das Projekt voranzutreiben.

Den Geist zwischen den Einsätzen fit halten
Rund 67 Feuerwehrleute sind an der Zentralwache in drei 24-Stunden-Schichten im Einsatz, wobei pro Schicht ein geschulter Mitarbeiter für die Bedienung des Druckers zuständig ist, um den Materialverbrauch auf ein Minimum zu beschränken. Neben den Kosteneinsparungen bei der Ausrüstung stellte die Wachleitung einen unerwarteten Vorteil fest: Es wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit der Mannschaft aus.
„Die Brandbekämpfung ist ein harter Job“, erklärt die Mannschaft. „Zwischen den intensiven Einsätzen ist es genauso wichtig, den Geist aktiv zu halten wie körperlich fit zu bleiben. Das Drucken bietet uns ein kreatives Ventil. Es hält uns geistig fit, während wir maßgeschneiderte Ausrüstung herstellen, die uns die Arbeit erleichtert.“
Um alles von winzigen Klammern bis hin zu massiven Ordnungssystemen für die Einsatzfahrzeuge herstellen zu können, setzt das Team auf den Prusa CORE One L. Dank seiner geschlossenen, temperaturgeregelten Bauweise können sie robuste Hochleistungsmaterialien verwenden, ohne sich Sorgen um Verformungen der Teile machen zu müssen. Sie drucken fast alles im charakteristischen Prusa-Orange, da diese Farbe zum Warnorange der tschechischen Feuerwehrfahrzeuge passt und es ermöglicht, Werkzeuge in den dunklen Fächern der Einsatzfahrzeuge leicht zu erkennen, wenn jede Sekunde zählt.
Auf dem Prüfstand (und dabei viel Geld sparen)
Jedes gedruckte Teil wird vor seinem Einsatz im Einsatzgebiet strengen Tests unterzogen, darunter die Einwirkung extremer Hitze und offener Flammen in der hauseigenen Flashover-Container-Übungsanlage. Sie haben bereits rutschige Türkeile aus Holz durch 3D-gedruckte Varianten ersetzt, die auch auf nassen Fliesen Halt bieten, und klobige Aufzugsschlüssel aus Metall gegen leichte 3D-Drucke ausgetauscht, die die Einsatzkräfte direkt in ihren Jackentaschen verstauen können.
Finanziell waren die positiven Auswirkungen sofort spürbar. Der Austausch von Komponenten wie defekten Helmhalterungen, für die früher teure Originalteile des Herstellers gekauft werden mussten, kann nun bei Bedarf im eigenen Haus erfolgen, was zu Kosteneinsparungen von rund 90 bis 95 Prozent führt. Für Wasserrettungseinsätze drucken sie schwer zu beschaffende Druckstopfen für Trockenanzüge selbst, um vor Ort Dichtheitsprüfungen durchzuführen, anstatt wochenlang auf seltene Teile von Zulieferern zu warten.
Die Effizienzsteigerungen erstrecken sich auch auf die Räumlichkeiten der Wache. Anstatt auf handelsübliche Werkzeugschienen zurückzugreifen, druckt die Mannschaft maßgeschneiderte Halterungssätze, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind – und das zu einem Bruchteil der Kosten. Diese Halterungen sind speziell geformt, um Äxte, Mopps und Abzieher aufzunehmen, und sorgen dafür, dass alles sicher fixiert bleibt, wenn die Fahrzeuge bei Eileinsätzen mit hoher Geschwindigkeit ausrücken.
Cybersicherheit in kritischen Infrastrukturen
Als staatliche Behörde muss der tschechische Feuerwehr- und Rettungsdienst strenge Cybersicherheitsvorschriften befolgen, die von der NÚKIB (die Nationale Behörde für Cyber- und Informationssicherheit) erlassen werden. Das macht die meisten 3D-Drucker für Endverbraucher zu einem Ausschlusskriterium. Sie zwingen Sie zur Nutzung externer Clouds, verwenden geschlossene Software und leiten Daten über Remote-Server weiter, was die Gefahr von Designlecks oder Manipulationen aus der Ferne birgt.
Prusa passt genau in diese strengen Vorschriften des öffentlichen Sektors:
- Läuft zu 100 % offline: Die Hardware arbeitet vollständig isoliert („Air-Gapped“). Die Übertragung von Dateien erfolgt über einen physischen USB-Stick oder ein sicheres lokales Netzwerk (über PrusaLink), ohne jeglichen Kontakt zu externen Cloud-Servern.
- Vor Ort in Prag hergestellt: Da jeder Drucker in der Tschechischen Republik hergestellt wird, müssen Sie sich keine Sorgen um versteckte „Black-Box“-Komponenten oder Hintertüren von Drittanbietern machen.
Die technische Abteilung und die Such- und Rettungsteams gehen noch einen Schritt weiter
Während sich die Feuerwehrleute in den Wachen auf taktische Ausrüstung und die Ergonomie im Alltag konzentrieren, treiben zwei spezialisierte Abteilungen innerhalb der Feuerwehr die additive Fertigung noch weiter voran:
1. Die technische Abteilung
Diese Teams sorgen dafür, dass schwere Rettungsfahrzeuge, Drehleiterfahrzeuge und Wasserpumpen einsatzbereit bleiben. Anstatt monatelang auf Ersatzteile aus der Fabrik zu warten, drucken sie schwer zu beschaffende Innenverkleidungen, maßgeschneiderte Schlauchadapter und hochbelastbare Werkzeughalterungen im eigenen Haus.
2. Die USAR-Einheit
Prags Elite-Such- und Rettungseinheit wird weltweit bei Erdbeben und Gebäudeeinstürzen eingesetzt. Wenn man Ausrüstung durch Trümmer trägt, zählt jedes Unze. Sie drucken leichte Kamerahalterungen, Sensorgehäuse und robuste Transportausrüstung, die auch harten Belastungen standhält.
Sowohl die Technische Abteilung als auch die USAR-Einheit stellen fortschrittliche Zentren für additive Fertigung dar, die in kommenden ausführlichen Fallstudien vorgestellt werden.
Ein landesweites Netzwerk der Innovation
Auch andere Feuerwachen in der Tschechischen Republik setzen mittlerweile auf den 3D-Druck.
Anstatt das Rad neu zu erfinden, tauschen diese regionalen Gruppen aktiv digitale Modelle, Testergebnisse und Drucktipps aus. Durch die Weitergabe von Open-Source-Entwürfen auf Printables.com und durch die Zusammenarbeit im Rahmen regionaler Workshops bauen tschechische Feuerwehrleute ein dezentrales, auf Crowdsourcing basierendes Netzwerk von Notfalllösungen auf.
Wie die Mannschaft es ausdrückt: „So fängt es immer an“, sagen die Feuerwehrleute lächelnd. „Zuerst druckt man ein Weihnachtsgeschenk, dann einen Türkeil, dann eine Helmhalterung … und ehe man sich versieht, kann man sich den Betrieb der Wache ohne 3D-Drucker gar nicht mehr vorstellen.“




Der 3D-Druck ist bei uns seit 4 Jahren in der Wache immer Tiefer in den Alltag eingedrungen. Erst waren es Halter für Helmlampen, dann diverse Halter und Organisationshilfen in den Werkstätten. Inzwischen sind sogar in den Fahrzeugen Halter für Ausrüstung und Einsatzgerätschaften Verbaut.
Halter oder Ersatzteile die teilweise mehrere 100€ kosten, drucken wir passgenau. Bei den Beschaffungspreisen aus der Industrie lohnen sich sogar mehrere Prototypen bevor man das Finale Design aus ASA oder PA druckt.
Leider kann man von den Modellen nicht all zu viel öffentlich teilen, daher ein paar ideen: Wärmebildkamera Halter für Item-Profil, Schutzkappen für Objektive, Ersatz- und Akkuhalter, Einlagen für Werkzeugboxen, Stopperleisten für Rollwägen, uvm.